Fast jedes Softwareprojekt beginnt mit einer Zahl, die niemand gerne als Erstes ausspricht: dem Budget. In den meisten Gesprächen ist es der eigentlich limitierende Faktor, und daran ändert auch die beste Idee nichts.
Unangenehm daran ist eine Tatsache, über die Anbieter selten schreiben: Wer Software verkauft, verdient an der teuren Lösung mehr als an der effizienten. Genau deshalb steht dieser Punkt hier am Anfang und nicht im Kleingedruckten. Danach geht es um die zwei Wege, auf denen wir Projekte tatsächlich finanzieren, und um die Fragen, mit denen Sie jedes Angebot überprüfen können, unseres eingeschlossen.
Kurz gesagt
In der Regel erhalten Sie ein Angebot und zahlen einen branchenüblichen Stundensatz für die tatsächlich geleistete Arbeit. Lässt sich Ihr Problem innerhalb Ihres Budgets einfach lösen, ist die einfache Lösung die richtige, auch wenn sie uns weniger Umsatz bringt. Für Startups mit guten Erfolgsaussichten gibt es einen zweiten Weg: Die Entwicklung wird nicht vorab zu einem fixen Stundensatz bezahlt, sondern später über eine Umsatz- oder Gewinnbeteiligung der Plattform. Scheitert das Produkt, bleibt aus der Entwicklung kein grosser Schuldenberg zurück.
Der Interessenkonflikt, den Sie kennen sollten
Jeder Anbieter, der nach Aufwand abrechnet, verdient mehr, wenn das Projekt grösser wird. Das ist kein Vorwurf an die Branche, sondern die Rechenlogik dahinter.
Besonders deutlich wird das bei Kunden mit grosszügigem Budget. Dann ist es verlockend, die teure Lösung anzubieten statt der effizientesten. Beide würden funktionieren, beide liessen sich gut begründen, und der Unterschied fällt einem Kunden ohne eigenes Entwicklungswissen kaum auf.
Wir sind uns dieser Versuchung bewusst und entscheiden uns bewusst dagegen. Auch wenn es den eigenen kurzfristigen Interessen widerspricht, steht die Frage am Anfang, was Ihr Problem am zuverlässigsten löst, und nicht, was sich am besten verkaufen lässt. Ein Angebot soll für beide Seiten fair sein und nicht nur für eine.
Sie müssen uns das nicht einfach glauben. Am Ende dieses Beitrags stehen Fragen, mit denen Sie diese Behauptung an einem konkreten Angebot nachprüfen können.
Warum wir zuerst auf das Gesamtbild schauen
Bevor wir über Funktionen und Technik sprechen, wollen wir wissen, was in Ihrem Betrieb tatsächlich klemmt, was das heute kostet und was Sie dafür ausgeben können. Erst aus diesen drei Angaben zusammen ergibt sich ein sinnvoller Umfang.
Häufig zeigt sich dabei, dass sich das Problem innerhalb des vorhandenen Budgets einfach lösen lässt: mit einer bewusst schmalen ersten Version, mit einer Ergänzung zu einer Software, die Sie ohnehin schon nutzen, oder mit einem einzelnen Ablauf, der automatisiert wird statt eines ganzen Systems. Wenn das reicht, dann ist das die richtige Lösung. Wie solche zugeschnittenen Projekte bei uns aussehen, zeigt der Beitrag über massgeschneiderte Softwarelösungen.
Sollten Sie Ihr Budget überhaupt nennen?
Ja, und zwar früh. Ohne diese Zahl bekommen Sie entweder ein Angebot, das zu gross für Sie ist, oder eines, das so vage bleibt, dass es Ihnen bei der Entscheidung nicht hilft.
Die Sorge dahinter ist trotzdem berechtigt. Wer sein Budget nennt, riskiert, dass genau dieser Betrag am Ende auf der Rechnung steht, unabhängig vom tatsächlichen Aufwand. Woran Sie erkennen, dass es nicht so läuft: Ein gutes Angebot ordnet die Arbeit nach Wirkung, macht sichtbar, welche Positionen weggelassen oder verschoben werden können, und begründet jede einzelne davon nachvollziehbar. Welche Faktoren die Kosten überhaupt bestimmen, haben wir am Beispiel von Websites in Wie viel kostet eine Webseite? aufgeschlüsselt.
Weg 1: Angebot und Abrechnung zum branchenüblichen Stundensatz
Das ist der Normalfall, und für die meisten Betriebe ist es auch der passende Weg. Sie erhalten vor dem Start ein Angebot mit Umfang und Kosten, und abgerechnet wird die tatsächlich geleistete Arbeit zu einem branchenüblichen Stundensatz.
Der Vorteil für Sie ist Kontrolle. Sie wissen, was Sie bezahlen, das Ergebnis gehört Ihnen, und Sie sind an niemanden gebunden. Der Preis dafür: Sie tragen das Entwicklungsrisiko allein. Wächst der Umfang während des Projekts, wächst auch die Rechnung. Deshalb gehört zu jedem Angebot die Frage, was passiert, wenn sich unterwegs etwas ändert.
Weg 2: Entwicklung gegen eine spätere Beteiligung
Für Startups gibt es eine zweite Möglichkeit, weil die übliche Reihenfolge dort nicht funktioniert. Am Anfang ist wenig Kapital vorhanden, aber ohne App oder Website gibt es auch keinen Umsatz, aus dem sich eine Entwicklung bezahlen liesse.
Bei guten Aussichten auf Erfolg können wir deshalb einen Kompromiss eingehen. Die Entwicklungskosten werden nicht an einen fixen Stundensatz geknüpft, sondern an eine spätere Umsatz- oder Gewinnbeteiligung der Plattform. Konkret bedeutet das:
- Sie zahlen die Entwicklung nicht vorab in voller Höhe, sondern beteiligen uns später am Ertrag der Plattform.
- Wir übernehmen vertraglich die Verantwortung für Ihre Software, Website oder App und betreuen sie langfristig im laufenden Betrieb.
- Funktioniert das Startup, bleiben wir beteiligt und kümmern uns weiter um die Software.
- Scheitert es, erlischt die Leistungspflicht. Aus der Entwicklung bleibt kein grosser Schuldenberg zurück.
Für Sie hat das zwei Effekte, die selten zusammenkommen: eine günstige Vorfinanzierung in der Phase, in der Sie noch nichts verdienen, und die Sicherheit, dass jemand mit eigenem Interesse an der Qualität dauerhaft für die Software zuständig ist. Wie eine solche Anwendung entsteht und was dabei auf Sie zukommt, beschreibt der Beitrag App entwickeln lassen.
Damit die Rechnung für beide Seiten aufgeht, braucht es allerdings eine Voraussetzung, und die prüfen wir vorher: realistische Aussichten auf Erfolg. Dieses Modell ist die Ausnahme und nicht die Regel, und es entsteht immer aus einer Einzelfallprüfung. Die konkreten Konditionen, also Höhe und Bemessung der Beteiligung, Laufzeit und Zuständigkeiten, gehören vor dem ersten Entwicklungstag schriftlich festgehalten. Beide Seiten sollten sie unabhängig prüfen lassen.
Ebenso wichtig ist, was das Modell nicht leistet. Es nimmt Ihnen nicht das unternehmerische Risiko ab. Es nimmt Ihnen die Entwicklungskosten aus der Phase, in der Sie sie am wenigsten tragen können.
Die zwei Wege im direkten Vergleich
| Frage | Abrechnung nach Aufwand | Beteiligung am Ertrag |
|---|---|---|
| Wann passt es? | Der Betrieb hat ein Budget und ein klar umrissenes Problem. | Ein Startup hat wenig Kapital, aber ein Produkt mit realistischen Aussichten. |
| Was zahlen Sie zu Beginn? | Die tatsächlich geleistete Arbeit zum vereinbarten Stundensatz. | Deutlich weniger. Der Hauptteil wird später aus dem Ertrag der Plattform abgegolten. |
| Wer trägt das Entwicklungsrisiko? | Sie allein. | Wir tragen einen Teil davon mit. |
| Was passiert bei Misserfolg? | Die geleistete Arbeit ist bezahlt. | Die Leistungspflicht erlischt, ohne dass eine grosse Entwicklungsschuld zurückbleibt. |
| Wie geht es nach dem Start weiter? | Betreuung und Weiterentwicklung nach Vereinbarung. | Wir sind vertraglich langfristig für die Software verantwortlich. |
| Wie häufig kommt es vor? | Der Regelfall. | Die Ausnahme, nach Prüfung im Einzelfall. |
Warum wir dieses Risiko eingehen
Weil gute Produkte sonst an der falschen Stelle scheitern, nämlich an der Anfangsfinanzierung statt am Markt. In Liechtenstein und der Schweiz entstehen laufend Ideen, die eine solide Plattform verdient hätten, deren Gründerinnen und Gründer aber im ersten Jahr keine vollständige Entwicklung vorfinanzieren können.
Das ist kein Wohltätigkeitsprogramm. Wenn ein Produkt funktioniert, verdienen wir langfristig mit, und genau darin liegt der Anreiz, es gut zu bauen und nicht nur schnell. Wir halten diese Risikobereitschaft für den ehrlicheren Weg, verglichen mit einer Rechnung, die ein junges Unternehmen zu diesem Zeitpunkt nicht tragen kann.
Fragen, die Sie jedem Anbieter stellen sollten
Diese Liste richtet sich ausdrücklich auch gegen unser eigenes Angebot. Wenn ein Anbieter darauf keine klaren Antworten gibt, ist das die nützlichste Information, die Sie vor einer Unterschrift bekommen können.
- Welche Position in diesem Angebot löst welchen Teil meines Problems?
- Was würden Sie weglassen, wenn mein Budget um ein Drittel kleiner wäre, und was ginge dabei verloren?
- Gibt es eine einfachere Lösung als die vorgeschlagene, und warum haben Sie sich dagegen entschieden?
- Was kostet der Betrieb nach dem Start, und wer ist dann zuständig?
- Was passiert mit dem Quellcode und unseren Daten, wenn die Zusammenarbeit endet?
- Bei einer Beteiligung: Woran genau bemisst sie sich, wie lange läuft sie, und was gilt, wenn eine Seite aussteigt?
Der nächste Schritt: ein Gespräch mit einer echten Zahl
Sagen Sie uns, was gelöst werden soll und was Sie dafür ausgeben können. Beides zusammen genügt für eine erste ehrliche Einschätzung.
Wir sagen Ihnen dann, ob sich Ihr Problem in diesem Rahmen lösen lässt, welcher der beiden Wege realistisch passt, und, falls keiner davon passt, auch das. Ein Nein zum richtigen Zeitpunkt ist für Ihr Budget mehr wert als ein Projekt, das auf halbem Weg stehen bleibt.
